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Sweta (15) und ihr jüngerer Bruder Jenia * sind schon lange im Kinderheim. Bei all meinen Unternehmungen mit Kindern (spielen, basteln, Computer-Unterricht u.s.w.) beteiligten sie sich und fielen mir als interessiert und von schneller Auffassung auf. Besonders Jenia ist sehr anhänglich und besucht mich häufig, wenn ich im Dorf bin, ohne aber aufdringlich zu sein.

Jenia,----- Jenia gilt in der Schule und auch im Internat als besonders schwierig: während des Unterrichts steht er häufig auf dem Hof oder dem Flur, er scheint weit weg zu sein mit seinen Gedanken oder Gefühlen. Und ich mag Jenia. Sehr.


Auch Sweta ist nicht unkompliziert, kürzlich war sie betrunken, und fast hätte sie nicht an der Schulentlassungs-Feier teilnehmen dürfen.

Darum würde das Internat die Geschwister gern an die Eltern zurückgeben, doch die sind trotz polizeilicher Bemühungen nicht auffindbar.Bei meinem Besuch im Juli gab es große Unsicherheiten wegen der weiteren Ausbildung von Sweta. Sie wollte gern Köchin werden. Die Pädagogen empfahlen aber eine Ausbildung im Pädagogischen Bereich z.B. Lehrerin oder Kulturarbeiterin (sowas wie Jugendpfleger?)

Erschwert wurde die Situation dadurch, daß vor der Aufnahme an eine weiterführende Schule eine mehrere Tage dauernde Prüfung durchgeführt wird und wohl das für die Fahrtkosten und den Aufenthalt sowie die Verpflegung erforderliche Geld nicht  zur Verfügung stehen.

Die Direktorin und die Pädagogische Leiterin des Kinderheims wurden gebeten,  per e-mail Nachricht zu geben , wenn bekannt ist, wie viel  Geld für die Prüfung von Sweta und eienm anderen Mädchen benötigt werden. (die Schule hat Internet-Anschluß auf einem der 4 von uns zur Verfügung gestellten Computer)

*(das J wird ein französisches G gesprochen, so wie in Gervais-Käse, also ein weiches "sch")

Kleine Kirche auf Abwegen?

Dies war ursprünglich der auch veröffentlichte Bericht für die hiesige Kirchen zeitung. Ich habe Teile zum besseren Verständnis eingefügt.  Einer meiner Träume ist, dem Dorf, den entmutigten, hoffnungslosen Alten und Jungen dort eine Zuflucht und Stätte zum Kraft schöpfen zu ermöglichen. (Wenn Andrej  und seine Mutter Wera das erlauben, die Evangelische oder die Katholische Kirche in Kaliningrad die Trägerschaft übernehmen oder die russisch Orthodoxe Kirche einen Batuschka finanzieren könnte und wenn viele Sponsoren dabei helfen würden.

Der „Heimatbote“ ist in Hoyerhagen und drumzu die Kirchenzeitung, und das Titelblatt vom April zeigte die Kirchenruine von Groß Engelau in Ostpreußen. Der Sonnenaufgang hinter der sterbenden Kirche wird vom Verfasser des Berichts als Zeichen der Hoffnung gedeutet. 
Dieser Hoffnung möchte ich Nahrung und vielleicht ein Ziel geben.
In Olchowka, einem Ortsteil des früheren deutschen Dorfes Parnehnen in Ostpreußen  „entdeckte“ ich bei einem meiner Besuche schon vor Jahren inmitten einer Gruppe alter deutscher Häuser die kleine Kirche mit einem zierlichen, leicht von Zeit und Sturm geneigten Zwiebelturm. Köllmisch Damerau Fotos Klick hier, dann siehst Du sie. Als ich endlich im letzten Sommer das Kirchlein näher erforschen und fotografieren wollte, oh Schreck: der Turm lag in Einzelteilen vor der Kirche. Den Männern, die dort arbeiteten, zeigte ich mit einem alten Kirchenfoto und durch mein angedeutetes Weinen meine Trauer und fand wider Erwarten zustimmende Gesichter.  Dann erfuhr ich, dass der Turm säuberlich „amputiert“ worden war,  um die  restliche Kirche zu retten.


Inzwischen weiß ich viel von der Vergangenheit des Dorfes und der Kirche. Etwa um 1920 weigerten sich die damaligen Bewohner des Dorfes „Köllmisch Damerau“, ihre Kinder weiterhin zum Konfirmanden-Unterricht den langen Weg nach „Groß-Schirrau“ gehen zu lassen, und sie ertrotzten sich ihre eigene Kirche.

 Hier sieht man das alte Kirchlein auf einerr Ansichtskarte von  1935

Nach dem Krieg wurde sie nicht zerstört, aber natürlich auch nicht als Gotteshaus genutzt, sodaß sie leicht das Opfer der Ziegelstein- Banditen hätte werden können, die überall in Ostpreußen alte Gebäude abbauen und die Ziegel verkaufen. Inzwischen hatte jedoch die russische Familie Rabow das Kirchlein gekauft und ins Herz geschlossen. Die Großmutter, Babka Vera, wacht nicht nur über ihre Bienen, sondern verteidigt  das „Adoptivkind“ Kirche wie eine Tigerin. Die ersten Männer, die das Dach erklimmen wollten, um die Dachpfannen zu „verwerten“ vertrieb sie mit wüsten Drohungen, schloß das Gebäude schnell ab und versteckte den Schlüssel in ihrer Kleidung.

Risse um Mauerwerk über Tor- und Fennsterbogen, herabhängende Reste der Regenrinne, Reste eines Stall-Anbaus aus der Zeit der Kolchose und fehlende Dachpfannen---und der strahlende Besitzer erklärte mir, daß sie alles "gut", nämlich karaschoo machen wollen.Mein Angebot zu finanzieller Unterstützung lehnte er ab, weil ich genug für das Dorf täte und er mein Auto schon seit vielen Jahren sieht, wenn ich komme, um zu helfen.


Ihr Sohn Andrej hütet nicht nur seine 500 Schafe, sondern auch die Kirche, die er seit Jahren als Abstellplatz für landwirtschaftliche Geräte nutzt. Das hört sich für uns zwar befremdlich an,  aber vielleicht ist dieser lebensrettende Abweg für die Kirche von Köllmisch Damerau nur ein Umweg?

Andrej hat seit letztem Sommer umfangreiche Reparaturen an Haus und Dach durchgeführt und mir stolz den guterhaltenen Holzfußboden, die nur leicht „geschwächte“ Empore und den noch vorhandenen Anschluß für den Ofen gezeigt; aber – Geld als Unterstützung für die Arbeiten und das Material nimmt er nicht von Fremden. Und Babka Vera will lieber ein paar Schafe verkaufen als sich das Selbstbestimmungsrecht über ihren Vorgartenschmuck abkaufen zu lassen.
Die Häuser in der Nachbarschaft sind teilweise vom Verfall bedroht, die meisten Menschen arm; sie beschimpfen und prügeln sich gelegentlich, sie sind krank und verbittert, sie trinken und sind ohne Hoffnung. Aber: sie helfen sich gegenseitig, sind meistens freundlich und erfinderisch und bereit, sich auf Neues einzulassen.
Kleine Kirche auf Abwegen oder nur auf dem Umweg zum Hoffnungsträger, zum lebendigen Gotteshaus für die Menschen in Olchowka und Parnehnen?
Ich will die Hoffnung mittragen und werde mit Hilfe der russischen Nachbarn für meine Gäste und mich eine Wohnung renovieren, -  neben der Kirche.




Das sieht ja noch nicht elegant aus, aber Andrej und seine Leute haben es karaschoo gemacht, alle Risse verschmiert, unddas Gemäuer sackt nicht nach. Das Dach ist ausgebessert mit Originalpfannen (nicht etwa mit Toschi-Platten), alle Traufbretter sind nicht nur ausgebessert, sondern wie die Originalbretter im gleichen Muster zur besseren Hinterlüftung per Kreissäge (rechts im Bild) eingesägt. und vom rechten Fenster die vordere Sicherheitswand entfernt, damit man die noch vorhandenen originalenFenster sieht. Beim vorigen Besuch wollte mir Andrej noch ein kleines Kirchenfenster schenken, einfach so. Aber ioch konnte ihn überreden, alle Dinge von früher für ein Museum für später aufzubewhren. Und so liegt auch die Holzkonstruktion vom Türmchen behütet in Andrej´s Stall. Aber die 12 unterschiedlich geformten Pfannen für die Wiederherstellung des Turmes kann er nirgends finden.